Ausstellung #258
10. Mai bis zum 30. Juni 2007
"Gerade im Werk von Imi Knoebel hat schließlich auch die überlieferte Form und Idee des gegenstandslosen Bildes alle Phasen der Entgrenzung, Erweiterung und des ironischen Misstrauens durchlaufen, von der völligen materiellen Objektivierung bis zur kosmisch-immateriellen Vision. Wir, die wir die Phase der Aufklärung hinter uns zu haben scheinen, wissen offensichtlich Bescheid: Jedes Bild ist nur ein materielles Objekt, ein technisches Konstrukt und Artefakt, das nur eine perfekte Oberfläche besitzt, aber nichts, was sich als metaphysischer Kosmos in einem imaginären Raum in oder hinter dieser Fläche befinden würde. Darüber lässt uns Knoebel nicht im Zweifel. Und doch stellt sich in der selbstvergessenen meditativen und träumenden Wahrnehmung immer so etwas wie ein unendlicher Erlebnis- und Gedankenraum ein, der die banale Realität ins imaginäre der reinen Vorstellung erhebt. Das Leuchten der Farben scheint sich ganz vom Bildgrund zu lösen und unabhängig von diesem zu existieren. Die Farben entwickeln so ein strahlendes Eigenleben. Gerade diese Dialektik von bloßer Immanenz und kaum mehr benennbarer Transzendenz ist in den Bildern Imi Knoebels wie bei wenig anderen Künstlern zu höchster Spannung gebracht. Es geht dabei nicht um die Repräsentation eines bereits Geschehenen oder einer vorgefassten Idee, sondern vielmehr um die Präsenz der Farben in ihrer unmittelbaren Wirkung auf den Betrachter."
Martin Schulz
Textauszug aus: Imi Knoebels Lolita oder: Die Erotik der Farben. In: Bays & Beaches. Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg, Paris