Ausstellung #272
14. März bis 29. April 2009
"… Bildausdruck und Maltechnik in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit sind im ständigen Fluß. Sind aber damit die Grenzen nicht nur verschoben, sondern nach der eigentlichen Plastik verwischt? Sie sind verwischt, aber nicht aufgehoben. Während in der Malerei der (noch unerlöste) Drang ins Plastische immer spürbarer wird, hat die Bildhauerei
sich stark von der Masse und der undurchdringlichen Rundung gelöst. Aber einmal gibt es in der plastischen Malerei die tragende Grundfläche wie vorher, zu der die drittdimensionalen Satelliten nichts mehr als aktive Mitspieler sind, zum andern kommt gerade durch die Räumlichkeit ein malerisches Moment hinzu, das – im Gegensatz zum Bildhauerwerk – nicht ertastet werden kann. Es entsteht nämlich auf der Einfallseite des Lichtes zwar eine Schärfung der Einzelkontur, dafür auf der Gegenseite eine Weichheit bis zum Verschwimmen. Diese Schattenpartien sind nicht gemalt, daher luftiger und auch malerischer als direkt gemalte oder Quasischatten. Diese Wirkung ist gesteigert, wenn das Bild auch Löcher enthält und Vertiefungen unter der Grundfläche. … Sollte dann das Wort Malerei fragwürdig geworden sein angesichts solcher freier Baugebilde, wird das nur ein Hinweis auf den glücklichen Umstand sein, daß Malerei, Plastik, Architektur, ohne sich je aufzugeben, auf dem Weg der Vereinigung sind.…"
Auszug aus:
Boris Kleint: Licht und Bild. Textblatt zur Ausstellung "Plastische Bilder", Zimmergalerie Franck, Frankfurt 1961
Die Ausstellung wurde begleitet durch die Buchvorstellung des Werkverzeichnisses "Boris Kleint. Malerei Glasbilder Plastische Bilder Stelen Kunst im öffentlichen Raum. 1933-1992"
am Freitag, den 24. April 2009, 11.00 Uhr
im Sparda-Bank-Kunst-Raum, Beethovenstraße 21-23, 66111 Saarbrücken
sowie am Mittwoch, 29. April 2009, 19.00 Uhr
in der Galerie St. Johann, Beethovenstraße 31, 66111 Saarbrücken
Biografie
1903 geboren in Masmünster/Elsaß
1921-25 Studium in Heidelberg, Leipzig, Berlin und Würzburg (Physik, Psychologie, Philosophie, Medizin, Sprach- und Kunstwissenschaften)
1925 Promotion ("Über den Einfluß der Einstellung auf die Wahrnehmung")
1926-31 Assistent am Psychologischen Institut der Universität Frankfurt (u. a. bei Max Wertheimer)
1931 Studium der Malerei bei Johannes Itten, Berlin
1933 Assistent von Johannes Itten
1934 Übernahme der Itten-Schule in Berlin
1936 Emigration nach Luxemburg
1946 Berufung an die Staatliche Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken (Meisterklasse für Malerei, Einrichtung der Grundlehre)
1952 mehrmonatiger Aufenthalt in Paris Niederschrift der "Bildlehre"
1954 Ernennung zum Professor
1957 Gründung der "neuen gruppe saar"
1962 Anschluss an die deutsch-französische Gruppe "groupe mesure, gruppe mass" und die "groupe de recherche d’art visuel (grav)" in Paris
1969 Veröffentlichung der "Bildlehre"
Ende der Lehrtätigkeit
1972 Ehrengast in der Villa Massimo, Rom
1976 Kunstpreis der Stadt Saarbrücken
1980 Zweite Auflage der "Bildlehre"
1989 Saarländischer Verdienstorden
1990 Kunstpreis des Saarlandes
1996 stirbt Boris Kleint in Völklingen