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"Skulptur 7-1994", Granit, 30 x 32 x 30 cm. Foto: Archiv Friedhelm Tschentscher

"Skulptur 1–1994", Granit, 43 x 30 x 30 cm. Foto: Archiv Friedhelm Tschentscher

"Relief–2003", Acryl auf Baumwolle, 64 x 80 x 8,8 cm. Foto: Archiv Friedhelm Tschentscher

Kleine Skulpturen aus verschiedenen Jahrzehnten

 

Ausstellung #274

4. Juli bis 01. August 2009

 

... die Skulpturen haben mit der Zeit eine enorme formale Einfachheit angenommen. Wenn Tschentscher schreibt, sein Interesse richtet sich letztlich "nach innen", so kann man das philosophisch dahingehend interpretieren, dass die äußere Form dieser Arbeiten sich aus einer dialektschen Bewegung ergeben. Rein konstruktiv hat Tschentscher mit ihnen einen weit höheren Grad an formaler Komplexität erreicht, als ihm dies in den Durchdringungen gelungen war. Diese innere Komplexität wird nach außen aber als Reduktion sichtbar. Je einfacher die Außensicht einer Skulptur bei Tschentscher sich darbietet, desto aufwändiger also die innere Konstruktion. Damit hat der Künstler das alte Konzept der konstruktiven Kunst gleichsam umgedreht. Aus der sichtbaren Form wird die "Einsehbarkeit in die Syntax", praktisch eliminiert zugunsten einer hoch emotionalisierten Ganzheitlichkeit der Form. Damit gelingt Tschentscher auch eine Umkehrung der Formdynamik, indem er die der Konstruktion innewohnende Bewegungsenergie in den Kern der Skulptur zurücklenkt. Die Reliefs wirken in Ihrer Leichtigkeit und Immaterialität wie poetische Kontrapunkte zu den materialmächtigen Skulpturen. Ästhetisch gesehen ist in den neuen Relief-Arbeiten ein Zustand der Ruhe und der Harmonie erreicht, der von einer großen Souveränität und Sicherheit in der eigenen Arbeit zeugt. Diese Reliefs sind gleichzeitig von einer Leichtigkeit und Sicherheit in der Form, das man sie als Quersumme des bisherigen Schaffens ansehen könnte. Das mag bei einem Bildhauer überraschen, dem die Gestaltung von Masse ein so fundamentales Anliegen ist. Aber der Verlust dieser Masse, ihrer schieren Materialität, kann auch eine neue Dimension in der Gestaltung bedeuten.

 

H.-P. Riese
aus: Friedhelm Tschentscher. Ausstellungskatalog Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen. Ludwigshafen 2006

 


Biografie
1936 geboren in Hofgeismar
1958 Bildhauerlehre
1960-64 Studium an der Hochschule für bildende Künste Kassel
1966-96 Kunsterzieher
1963 Beginn der Untersuchungen geometrischer Körper: Schnitte an Ellipsoid, Zylinder und Kugel
seit 1970 systematische Ordnung von Kugelschalensegmenten in Säulen und Gitterform. Kombination von weissem und farblosem Acrylglas
seit 1977 mehrteilige, variable Objekte, Betonung des Plastischen
1979 erste rundplastische Einheiten, Durchdringung von Kugel und Würfel aus weissem Polystyrol
seit 1980 zweiteilige Arbeiten in Stein, Messing und Eisen. Ausbalancieren der Gewichte
seit 1989 monolithische Skulpturen

 

lebt und arbeitet in Hofgeismar


Arbeiten in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen